Negombo – Ein Tropengewitter

Sri Lanka, Februar 2023. Vorgestern sind wir bei schönstem Wetter gelandet. Gestern haben wir den Tag am Pool bei Meeresrauschen genossen. Heute sind wir noch angenehm überrascht vom wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer.

Die ersten Wolken zeichnen sich bereits am Himmel ab, als die Sonne am Horizont langsam tiefer sinkt. Durch das Rauschen der Brandung, ist der Wind kaum vernehmbar. Einheimische Kinder spielen im Sand, Philipp und ich sind die absolute Attraktion im kleinen Dorf.

Der Blick zurück zur Unterkunft offenbart, was kommen wird. Eine graue Wolkenwand türmt sich über dem schneeweißen Haus auf. Bedrohlich schieben sich die Wolken übereinander. Es scheint wie ein wilder Kampf darum, wer höher und schneller am Himmel vorwärts kommt. Kaum bewegen wir uns vom Meer weg, hören wir das Geräusch der Palmenblätter hoch oben am Stamm. Diesmal ist es nicht das sanfte Wiegen in der leichten Brise. Unkontrolliert werden die Wedel in alle Richtungen vom Wind umhergewirbelt. Doch das Grün ist ihm nicht genug. Er peitscht über das Wasser des Pools und zerrt an meinem Kleid. Strähnen meines Haares lösen sich und flattern ihm sehnsuchtsvoll hinterher.

Nass und schwer schlägt der erste Tropfen auf dem Holzboden auf. Immer schneller folgen seine Brüder und Schwestern. Wie winzige Glassplitter prallen sie vom Wasser des Pools ab, ehe sie schließlich darin versinken. Das von der Sonne durstige Gras schluckt das kühle Nass sofort. Nicht nur der Duft nach feuchter Erde steigt auf. Diese unwiderstehliche Mischung, wenn die Hitze des Tages einem kühlen Regen weicht, macht sich breit. Nasses Gras, feuchtes Holz und ein feiner Hauch verlöschender Kohlefeuer aus dem Dorf kitzeln meine Nase.

Der erste Blitz zuckt über das Meer, gefolgt vom gewaltigen Brummen des Donners. Schlagartig wird es kalt, unaufhaltsam schraubt sich die Regenfront vorwärts. Es blitzt und donnert, der Wind verteilt den Regen bis in Haus. Wie eine Wand hängt dort noch die Wärme der Sonne, die eben hinter dem Horizont verschwunden ist.

So gerne ich Gewitter auch mag, dieses schaue ich mir von drinnen an, um nicht klitschnass zu werden. Im sicheren Haus verfolge ich die Blitze in der schwarzen Dunkelheit und lausche dem Trommeln des Regens auf dem Dach bis der Donner irgendwann vorübergezogen ist und der Regen in ein sanftes Rauschen übergeht.

Beruhigt schließe ich die Augen und lasse mich dabei in den Schlaf gleiten.

Nur das Meer wütet noch am Strand, aufgewühlt vom Gewitter, das inzwischen weit draußen sein Unwesen weiter treibt.

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